Private Versorgung


Die private Versorgung findet in allen drei Schichten statt. Dazu zählen u. A.:
private Kapital- und Rentenversicherungen (Schicht 3)
Risikoabsicherung (Todesfall, Berufsunfähigkeit, Pflege, etc.) (Schicht 3)
Riesterrente (Schicht 2)
Basis-/Rüruprente (Schicht 1)

Der Lebenserwartungsrechner zeigt Ihnen wie lange Ihre Rente reichen muss. Der Rentenlückenrechner zeigt Ihnen nicht nur Ihre Rentenlücke, sondern auch, mit welchem Aufwand Sie diese Lücke ganz oder teilweise schließen können.

private Kapital- und Rentenversicherungen (Schicht 3)

Private Lebens- und Rentenversicherungen sind nach wie vor eine der wichtigsten Säulen der Altersversorgung in Deutschland, auch wenn das Säulenmodell mittlerweile in ein Schichtenmodell umgewandelt wurde.
Von sog. Verbraucherschützern oft verschrien, erwirtschaften die dt. Versicherer selbst mit einem konventionell anlegenden Deckungsstock Renditen um 3 %. Und das nahezu risikolos mit marginaler Volatilität. Wo bekommt man heute noch eine derartig risikoarme Anlage mit solchen Erträgen und Steuervorteilen? Wo kann ich zudem biometrische Risiken (Langlebigkeit, Berufsunfähigkeit etc.) absichern?

Alternative Investmentfonds?
Fonds sind sinnvoll und wichtig im Kapitalaufbau, aber mit einem deutlich höheren Risiko behaftet. Auch die vielgelobte Flexibilität des Fondssparens ist hier Fluch und Segen zugleich. Bei Kapitalbedarf (z.B. Firmengründung, Hausbau, neues Auto, Urlaub) greift man gerne auf die fungibelsten Mittel zurück. So erleben die meisten Fonds, die ursprünglich für die Altersversorgung gedacht waren, meist nicht einmal das sechste Jahr. Hier werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Im steuerbegünstigten Rahmen eines Versicherungsmantels hingegen bieten Fonds interessante Alternativen.

Gibt es noch sog. Lebensversicherungen?

Ja, aber sie werden heute kaum mehr verkauft. In einer Lebensversicherung ist der Kapitalaufbau mit einer Versicherungssumme für den Todesfall kombiniert. Durch die zumeist langen Laufzeiten der Verträge wird auch die Todesfallsumme langfristig mitversichert. Das macht es teuer und ist i.d.R. gar nicht dauerhaft nötig oder gewünscht. Daher wird heute das Todesfallrisiko separat in einer sog. Risikoversicherung mit einer sinnvollen Dauer und damit wesentlich günstiger versichert. Die Kapitalbildung erfolgt in einer Rentenversicherung, die bis zum Rentenalter läuft.

Kapitalanlage in Rentenversicherungen
Hier steht der Sparprozess eindeutig im Vordergrund, um zum Rentenbeginn die Leistung in Form einer Rente oder als Kapitalauszahlung zu erhalten. Die Anlagen sind so vielschichtig wie es generell Kapitalanlagen gibt. Unter anderem sind das:

• Konventionelle Anlage im Deckungsstock (meist ca. 5 bis 10 % in Aktien; Rest überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren und Immobilien)
• Fondsgebundene Versicherungen (oft weitgehend freie Fondsauswahl und/oder verwaltete Portfolios)
• Indexrentenversicherungen (Anlage im konventionellen Deckungsstock; nur die jährlichen Zinsen werden in Indexzertifikate z.B. auf Dax oder Eurostoxx50 investiert)
• freie Anlage in ETF´s (Exchange Traded Funds), Aktien, festverzinslichen Wertpapieren etc. mit Vermögensverwaltung


Machen Garantien Sinn?
Wenn es um Altersversorgung geht, steht die Sicherheit im Vordergrund. Das spricht für Garantien. Angeboten wird, das eingezahlte Kapital zu bestimmten Teilen (bis zu 100 %) zu garantieren und eine Garantieverzinsung von aktuell bis zu 0,9 Prozent. Darüber hinausgehende Erträge werden den Verträgen dann als sog. Überschüsse gutgeschrieben.
Aber: Garantien kosten Geld! Man geht zumeist von ca. 0,5 %-Punkten Renditeminderung aus. Exakt ist das nicht zu definieren weil es auf die Art und Weise ankommt, wie der Versicherer die Garantien abbildet. Im Einzelfall kann das deutlich mehr sein.
Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie wichtig ihm eine Garantie ist und ob er dafür auf möglichen Mehrertrag verzichtet.
Beim sog. Rentenfaktor hingegen sind Garantien entscheidend!

Wie wichtig ist der sog. Rentenfaktor?

Der Rentenfaktor bestimmt das Verhältnis von Kapital zu Monatsrente. Also wie viel monatliche lebenslange Rente bekomme ich für € 10.000 Kapital? Ist der Faktor z.B. 30 bedeutet das € 30 Monatsrente.
Es ist ein mitentscheidendes Kriterium, ob der Rentenfaktor garantiert ist oder nicht und für welchen Teil des Kapitals er garantiert ist. Oft ist er nur für das garantierte Kapital, nicht aber für die Überschüsse garantiert. Wenn er auch für die Überschüsse garantiert ist, ist das schon mal positiv. I.d.R. ist er für die Überschüsse auf Grund des demografischen Wandels niedriger als für das Garantiekapital.
Das folgende Beispiel soll die enorme Wichtigkeit des Rentenfaktors verdeutlichen:

Beispiel:
Garantiertes Kapital zum Rentenbeginn:    € 100.000.-
Garantierte Rente zum Rentenbeginn:€ 300.- (entspricht Rentenfaktor 30)
  
Erzielte Überschüsse:€ 100.000.-
Verfügbares Gesamtkapital (Garantie + Überschüsse):€ 200.000.-

Wäre der zum Ablauf des Vertrages aktuelle Rentenfaktor immer noch 30, würde das einer monatlichen Rente von € 600 entsprechen. Auf Grund des demografischen Wandels ist diese Annahme jedoch unrealistisch.

Modell 1:    garantierter Rentenfaktor für das Garantiekapital    30
garantierter Rentenfaktor für die Überschüsse25
 
Altersrente aus Garantiekapital€ 300.-
+ Altersrente aus den Überschüssen€ 250.-
Gesamtrente€ 550.-
 
Modell 2:Rentenfaktor für das Garantiekapital30
Rentenfaktor für die Überschüssenein
Angenommener aktueller Rentenfaktor zu Rentenbeginn15
Gesamtrente (€ 200.000.- x Faktor 15)€ 300.-
Angenommener aktueller Rentenfaktor zu Rentenbeginn13
Gesamtrente (€ 200.000.- x Faktor 13) € 260.- mindestens aber€ 300.-


Wenn also nicht einmal für das Garantiekapital der Rentenfaktor garantiert ist, kann es sein, dass nur die garantierte Rente ausbezahlt wird, obwohl das doppelte Kapital zur Verfügung steht! Es gibt einige Versicherer, die den Rentenfaktor auch für die Überschüsse garantieren. Wir zeigen sie Ihnen.

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, sich das Kapital auszahlen zu lassen, was jedoch steuerlich nachteilig gegenüber einer monatlichen Rente ist. Und die erzielbare Monatsrente aus dem ausgezahlten Kapital wird dann evtl. sogar unter € 260 liegen.
Wichtig also: Auf den garantierten Rentenfaktor achten!

Risikoabsicherung (Todesfall, Berufsunfähigkeit, Pflege, etc.) (Schicht 3)

Todesfall-Versicherung
Heutzutage ist es üblich, das Todesfallrisiko nicht mehr in einer Kapitallebensversicherung abzusichern, sondern in einer separaten Risikoversicherung. Das bringt vielerlei Vorteile:

1.) Auswahl eines spezialisierten Versicherers
2.) Wahl der passenden Laufzeit
3.) Wahl des passenden Tarifs
4.) Beitragsersparnis

Kombinationsmöglichkeiten sind im Rahmen von Zusatzversicherungen möglich. Häufig sind das Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen (BUZ). Diese machen allerdings nur Sinn, wenn die Laufzeit lang genug ist. Daher ist i.d.R. eine eigene BU-Versicherung ratsam.


Berufsunfähigkeits-Versicherung

Durch die Reduzierung der Berufsunfähigkeitsabsicherung der gesetzlichen Rentenversicherung in eine Erwerbsminderungsrente ist die private BU-Versicherung in den Mittelpunkt gerückt. Die Ausprägungen der Tarife sind mannigfaltig. Im Wesentlichen ist die selbständige BU (SBU) hervorzuheben. Hier wird zunächst ausschließlich das BU-Risiko abgesichert. Ergänzungsbausteine sind möglich. Die Laufzeit sollte bis zum Renteneintrittsalter reichen.

Entscheidend für die Auswahl des Versicherers sind

• die Qualität der Bedingungen
• die Finanzstärke des Versicherers
• der Service und die Erfahrung im Leistungsfall
• verfügbare Zusatzbausteine und Ergänzungen
• und nicht zuletzt der Preis.



Die besten Anbieter in diversen Ratings werden als 5-Sterne-Versicherer bezeichnet. Welcher Anbieter letztendlich der richtige für Sie ist, entscheidet sich dann anhand der oben dargestellten weiteren Kriterien.
Wichtige Zusatzbausteine und Ergänzungen sind die

Arbeitsunfähigkeitsabsicherung:
Bei langandauernder Arbeitsunfähigkeit ohne berufsunfähig zu sein, leistet der Versicherer bis zu 18 (manche bis zu 24) Monate bereits die BU-Rente.

Pflegeoptionen:
Bei gleichzeitiger Berufsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit leistet der Versicherer im besten Fall die Pflegerente zusätzlich zur BU-Rente in gleicher Höhe und solange Pflegebedürftigkeit besteht, ggf. auch lebenslang.
Falls am Ende der Vertragslaufzeit keine Pflegebedürftigkeit besteht, bieten manche Versicherer eine Option auf Abschluss einer Pflegerentenversicherung ohne erneute Risikoprüfung an.

Erhöhungsoptionen:
Diese sind wichtig, um den Versicherungsschutz den sich ändernden Lebensumständen anzupassen – und das ohne erneute Risikoprüfung. Es werden ereignisabhängige und ereignisunabhängige Anpassungen angeboten. Je umfangreicher diese Möglichkeiten sind, umso besser.


Pflegefallrisiko

Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung reicht i.d.R. nicht aus, um ambulante oder stationäre Pflegeleistungen auszugleichen. Eine Private Zusatzabsicherung ist angebracht. Diese wird in Form einer private Pflegerenten- oder Pflegekrankenversicherung angeboten, wobei die Lösung über die Pflegekrankenversicherung meist die deutlich günstigere ist. Sie kann aber auch an eine Berufsunfähigkeits- oder Rentenversicherung angebunden werden.
Die bisherigen Pflegestufen wurden ab 2017 durch die fünf neu eingeführten Pflegegrade ersetzt. Die Leistung des Versicherers orientiert sich daran.




Riesterrente (Schicht 2)

Die Riesterrente wurde 2002 mit dem Altersvermögensgesetz (AVmG) eingeführt. Hintergrund dafür war die Reduzierung des Rentenniveaus durch das Rentenreformgesetz 2000/2001. Die freiwillige Altersversorgung sollte durch eine Altersvorsorgezulage gefördert werden.
Zulagenberechtigt sind im Wesentlichen rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Weitere Berechtigte sind im Gesetz geregelt.
Als Vertragsformen sind zertifizierte Verträge u. A. von Versicherungen, Bausparkassen, Banken, Investmentfonds möglich.
Einer der häufigsten Kritikpunkte an Riesterverträgen sind die hohen Verwaltungskosten.
Um die volle Förderung zu erhalten müssen 4 % des rentenversicherungspflichtigen Einkommens des Vorjahres, maximal € 2.100 p.a. eingezahlt werden. Bei geringeren Einzahlungen erfolgt die Förderung anteilig.

Höhe der Grund- und Kinderzulagen pro Jahr:

     Grundzulage    Kinderzulage     
für alle vor 1.1.2008 geborenen Kinderfür alle ab 1.1.2008 geborenen Kinder
 
seit 2008€ 154.-€ 185.-€ 300.-
ab 2018€ 175.-€ 185.-€ 300.-

Berufseinsteiger-Bonus
Ein Riester-Sparer erhält im ersten Sparjahr eine um € 200 erhöhte Grundzulage, wenn er am 1. Januar des Jahres, in dem er den Vertrag schließt, sein 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, unmittelbar zulagenberechtigt ist und nach dem 31. Dezember 1982 geboren ist.
Günstigerprüfung
Im Rahmen der Einkommensteuererklärung prüft das Finanzamt, ob der Sonderausgabenabzug oder die staatliche Zulage für den Steuerpflichtigen günstiger ist und erstattet ggf. zu viel bezahlte Steuern, was bei Gutverdienenden die Regel ist. Dadurch rechnet sich die staatliche Zulage i.d.R. nur für Geringverdiener mit vielen Kindern. Für Normal- und Besserverdienende bietet die betriebliche Altersversorgung deutliche Vorteile.
Auszahlungen
Diese sind voll zu versteuern. Es sind nur Rentenleistungen oder ein Mix aus bis zu 30 % eimaliger Kapitalzahlung und Rentenleistungen möglich.
Verträge, die bis Ende 2011 abgeschlossen wurden, können ab dem 60. Lebensjahr ausbezahlt werden; Verträge mit späterem Beginn ab dem 62. Lebensjahr.

Basis-/Rüruprente (Schicht 1)

Die Basisrente, oder umgangssprachlich Rüruprente genannt, wurde im Zuge der Rentenreform 2005 eingeführt. Sie ist vor allem für Gutverdiener und Personen mit stark schwankendem Einkommen –also i.d.R. Selbständige- interessant.

Einzahlungen sind laufend und als Einmalbeiträge bis zu bestimmten jährlichen Maximalbeträgen möglich. Bis 2014 lagen die maximal abzugsfähigen Höchstbeträge bei Euro 20.000 für Ledige und € 40.000 für zusammen veranlagte Verheiratete. Seither steigen die Höchstbeträge. Für 2019 ergeben sich 88 % aus maximal € 24.305 bzw. € 48.610.
Die Leistungen können nur in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden. Eine Kapitalabfindung ist nicht möglich.

Steuerliche Behandlung während der Ansparphase:
Ein bestimmter Prozentsatz der eingezahlten Beiträge kann als Sonderausgaben geltend gemacht werden. 2005 waren das 60 %. In jedem weiteren Jahr steigt dieser Prozentsatz jährlich um 2 %-Punkte bis er 2025 schließlich 100 % erreicht.

absetzbare Sonderausgaben in % der eingezahlten Beiträge

Steuerjahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 ... 2016 2017 2018 ... ab 2025
Prozentsatz 60 62 64 66 68 70   82 84 86   100

Steuerliche Behandlung während der Rentenphase:
Diese ist der gesetzlichen Rentenversicherung gleichgestellt. Die Rente ist, abhängig vom Rentenbeginnjahr, nur zum Teil zu versteuern. 2005 betrug der zu versteuernde Anteil 50 %. In den Folgejahren bis 2020 steigt dieser Prozentsatz jährlich um 2 %-Punkte und danach bis 2040 um jährlich 1 %-Punkt. Ab 2040 sind es 100 % für die neu hinzukommenden Renten.

steuerpflichtiger Anteil in % der Erstjahresrente

Rentenbeginnjahr 2005 2006 2007 2008 2009 ... 2017 2018 2019 2020 2021 2022 .. ab 2040
Prozentsatz 50 52 54 56 58   74 76 78 80 81 82   100

Förderfähige Sparformen:

• Konventionelle Rentenversicherungen
• Fondsgebundene Rentenversicherungen
• Fondssparpläne


Leistungen im Todesfall:
Im Todesfall während der Ansparphase verfällt das angesparte Kapital wie in der gesetzlichen Rentenversicherung. Es kann nicht an die Hinterbliebenen ausgezahlt werden. Versicherungsförmige Basisrentenverträge bieten Lösungen in Form von Zusatzversicherungen an. Tritt der Todesfall während der Rentenphase ein, verfällt das noch nicht als Rente ausgezahlte Kapital ebenfalls. Ausnahme sind Versicherungsverträge mit Rentengarantiezeit.

Zusatzversicherungen:

• Hinterbliebenenversicherung
• Berufsunfähigkeitsversicherung


Häufige Kritikpunkte der Basis-/Rüruprente sind die fehlende Kapitalauszahlung und die nicht zulässige Vererbbarkeit.
Für Selbständige mit stark schwankendem Einkommen ist die Möglichkeit, hohe variable Einmaleinzahlungen steuerbegünstigt zu tätigen, eine lukrative Form eines persönlichen Steuermodells. Gleiches gilt für Angestellte, die höhere Einzelbeträge zur Verfügung haben. Interessant ist auch die Einbindung der Berufsunfähigkeit, da der dafür erforderliche Beitrag im selben Maß steuerlich geltend gemacht werden kann wie der Beitrag für die Rente an sich.